Heinz Jenni ✝

Torjäger vom Dienst: 245 Spiele mit mehr als einem Tor pro Spiel. Das kann nur der siebenfache EVZ-Torschützenkönig Heinz Jenni sein.

1973 wechselte Heinz Jenni vom Serienmeister La Chaux-de-Fonds zum EVZ. Der Transfer des aktuellen Nationalspielers in die Niederungen der ersten Liga war eine veritable Sensation – und er hing an einem seidenen Faden: Der damalige EVZ-Sportchef Engi Huber hatte mit dem 22-jährigen Thuner nämlich einen NLB-Vertrag ausgehandelt, doch die Zuger scheiterten in den Aufstiegsspielen völlig unerwartet am späteren Meisterteam aus Arosa.

Heinz Jenni kam zum Glück trotzdem nach Zug und machte in der Saison 1973/74 gleich selber alles klar: Mit 45 Saisontoren schoss er den EVZ mit einem Jahr Verspätung in die NLB und zwei Jahre später auch in die NLA. Mit dem 7:6-Siegestor 22 Sekunden vor Schluss des letzten Aufstiegsrundenspiels beim Zürcher SC machte er  am 2. März 1976 den erstmaligen Zuger Aufstieg in die höchste Liga klar.

Heinz Jenni gehörte zum legendären EVZ-Sturm Jenni-Probst-Huber, der zwischen 1973 und 1979, von der ersten Liga bis in die Nationalliga A, die Gegner schwindlig spielen konnte. Nationalstürmer Paul Probst, der ein Jahr vor Heinz Jenni von La Chaux-de-Fonds zum EVZ gewechselt hatte, war der Spielmacher auf der Centerposition, der Ur-Zuger Oski Huber der Aggressiv-Leader auf der linken Flügelposition, Heinz Jenni der kaltblütige Vollstrecker auf der rechten.

Mit seinen Finten und seinem gefürchteten Handgelenkschuss vermochte sich der wirblige Flügelstürmer überall durchzusetzen. In der ersten Liga, wo es alle Gegenspieler auf ihn abgesehen hatten, in der NLB und NLA, wo er weiterhin mehr Tore schoss als seine ausländischen Teamkollegen, und auch in der Nationalmannschaft, wo er bei einem 4:0-Sieg gegen Deutschland alle vier Tore schoss. Siebenmal wurde Heinz Jenni EVZ-interner Torschützenkönig, nach der NLB-Saison 1983/84 und 245 Spielen mit 260 Toren für den EVZ beendete er seine glanzvolle Karriere.

Später engagierte sich der „ewige Topscorer“ als Trainer im EVZ-Nachwuchs, wo er auch seinen Sohn Stefan, ein Goalietalent, trainierte. Im Nostalgiespiel „25 Jahre EVZ“ am 29. August 1992 trug Heinz Jenni zum letzten Mal das EVZ-Dress. Nur wenig später, am 8. Oktober 1992, ist er an seinem Arbeitsplatz in Zürich im Alter von erst 41 Jahren tödlich verunglückt. Als EVZ-Legende lebt er weiter. 

EVZ-Statistik

Anzahl Punkte 299
Anzahl Tore 260
Anzahl Assists 39
Anzahl Spiele 245

Die Erinnerungen von Heinz Jenni's Sturmpartnern

Beim EVZ:
1973-1980 und 1982-1984

Grösste Erfolge:
Schweizermeister mit La Chaux-de-Fonds 1972, NLA-Aufstieg mit dem EVZ 1976, 44 Länderspiele, Teilnahme an den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo und an der A-WM 1972 in Prag

Paul Probst, Center: „Ich hatte nie einen torgefährlicheren Flügel an meiner Seite. Heinz war ein absoluter Goalgetter. Sein Handgelenkschuss war einmalig, scharf und präzis. Er blieb in jeder Situation kaltblütig, konnte den Torhüter rauslocken und hat dann auch aus dem spitzesten Winkel noch getroffen. Daneben war er auch ein Schlitzohr, das die Gegner mit Schwalben nerven konnte. Ein Spiel gegen den ZSC im Hertistadion habe ich bis heute nicht vergessen. Wir lagen ein paar Minuten vor Schluss 0:2 zurück, dann hat Heinz die Partie mit drei Toren innert drei Minuten noch gedreht.“

(Paul Probst ist heute 67 Jahre alt und Europäischer Präsident der „World Foundation for Natural Science).

Oskar Huber, linker Flügel: „Heinz war unglaublich abschlussstark und wollte immer Tore schiessen. Schusstraining war für ihn das wichtigste. Schon im Sommer hat er jeweils auf einer Plastikplatte endlos den Abschluss geübt. Im Spiel hat er an der blauen Linie gewartet, bis er angespielt wurde und ist dann von der rechten Seite her alleine aufs Tor gezogen. Die meisten Torhüter haben seinen Handgelenkschuss nicht einmal kommen sehen. Defensiv hat er nicht viel gemacht, dafür hatte er ja Paul Probst und mich, ich war sozusagen sein Wasserträger. Das wichtigste Tor von Heinz Jenni war natürlich das Tor zum 7:6-Sieg im März 1976 beim ZSC 22 Sekunden vor Schluss, dank dem wir erstmals in die Nationalliga A aufgestiegen sind. Der Pass kam übrigens von mir…“

(Garagist Oskar Huber ist 67 Jahre alt und pensioniert)