Dieses Interview erschien in EISZEIT Sport vom Mai 2026, geführt hat es Eugen Thalmann.
CEO Patrick Lengwiler zieht Bilanz: Was hinter dem Double-Gewinn des Women’s Team steckt, wie man das Men’s Team wieder an die nationale Spitze führen will und was die Erweiterung der OYM hall für den Verein bedeutet.
Der Meistertitel des Women’s Team war in der letzten Saison dein persönliches Highlight?
Es war ein Highlight für den EVZ. Dass wir schon im dritten Jahr des Women & Girls-Programms den Meistertitel geholt haben, ist eine riesengrosse Genugtuung. Ich freue mich für die ganze Organisation, weil es dazu einen riesigen Effort von vielen Leuten brauchte. Diesen Erfolg miteinander zu erleben, war einfach schön.
Meister 2026, Cupsieger 2025 und 2026 – hast du diese Erfolge der Frauen so schnell erwartet?
Der Erfolg hat mich nicht überrascht, weil wir das Projekt schon bei der Lancierung 2023 auf eine semiprofessionelle Stufe gehoben haben, die andere Klubs nicht hatten. Wir haben den Spielerinnen damit erstmals in der Schweiz diese Chance ermöglicht. Wir haben gewusst, dass wir damit ein offenes Feld angehen und früher oder später Erfolg haben werden. Darüber hinaus haben wir ein schlagkräftiges Kader zusammengestellt und haben von Anfang an konsequent einen langfristigen Plan verfolgt. Zugegeben: Der Meistertitel ist noch ein Jahr früher gekommen als erwartet.
Was hat dich speziell überrascht?
Sehr positiv überrascht hat mich die Entwicklung des Zuschaueraufkommens, das am Anfang schwierig einzuschätzen war. Bei einzelnen Highlight-Spielen hatten wir rund 4’000 Zuschauende, das ist mega cool und freut mich. Aber viel wichtiger ist für mich der Zuschauerschnitt, also die Zahl von regelmässigen Matchbesuchern des Women’s Teams. Dieser Schnitt liegt im Jahr 3 nun bei 1’300 Zuschauern – das ist Rekord in Europa! Dies bestätigt uns, dass wir die Spiele des Women’s Teams richtig platziert haben und das abwechslungsreiche Programm gut ankommt.
Das Women & Girls Programm ist inzwischen selbsttragend, richtig?
Seit dem zweiten Jahr ist es finanziell selbsttragend. Wir hatten nicht nur von den Zuschauenden, sondern auch von unseren Sponsoren eine riesige Unterstützung. Sie haben von Anfang an erkannt, warum und wie wir es machen wollen, und dass wir einen langfristigen Plan verfolgen. Sie haben uns vertraut und uns unterstützt. Diesen Nachweis haben wir eindrücklich erbracht und unseren Worten entsprechende Taten folgen lassen. Wir haben zu Beginn, vor drei Jahren, aber auch sehr viele kritische Stimmen aus unserem Umfeld erhalten. Diese sind inzwischen verstummt oder haben sich ins Positive geändert. Heute gelten wir landesweit als Pionier und Vorbild für die Entwicklung des Frauen- und Mädcheneishockeys.
«Wenn wir das Schweizer Frauen- und Mädcheneishockey weiterbringen wollen, braucht es eine gemeinsame Bewegung und nicht nur einen Klub.»
Patrick Lengwiler, EVZ CEO
Kann das Women’s Team diese Pace halten?
Wir haben einen grossartigen Start hingelegt, der jetzt bestätigt werden muss. Das werden wir auch, wenn ich das Topkader für die nächste Saison anschaue. Aber letztlich ist es unser Hauptziel, dass wir eine Bewegung im Schweizer Eishockey für eine adäquate Förderung von Mädchen und Frauen auslösen. Nur wenn mehrere Klubs und der Schweizer Eishockeyverband konsequent auf das Frauen- und Mädcheneishockey setzen, ist eine langfristige Etablierung überhaupt möglich. Hier gibt es positive Tendenzen, wenn ich sehe, wie in Davos, Bern, Zürich und neuerdings auch in Lausanne gearbeitet wird. Dank unserer Initiative ist ein Ruck durch zahlreiche Organisationen gegangen. Wenn wir das Schweizer Frauen- und Mädcheneishockey weiterbringen wollen, braucht es eine gemeinsame Bewegung und nicht nur einen Klub. In dieser Beziehung ist noch immer vieles notwendig und vieles möglich, aber auch viel Positives im Gange.
Was sind die nächsten Ziele im Women’s & Girls Programm?
Wir haben vor drei Jahren gleichzeitig von oben mit dem Women’s Team als Leuchtturmprojekt und ganz unten mit einer eigenen Hockeyschule für Mädchen angefangen. Es ist unser langfristiges Ziel, auf allen Altersstufen eine reine Mädchenmannschaft stellen zu können. Wir haben in der letzten Saison ein U12 und ein U9 Team gestellt und nehmen in der kommenden Saison mit einem U16 Team an der neu gegründeten Junior Women’s League teil – und haben das “EVZ Women’s NXT”-Programm lanciert. Wir sind auf einem guten Weg!
Für das Men’s Team war es eine Saison zum Vergessen – auch für dich?
Ich vergesse keine Saison. Es war eine schwierige Saison mit vielen widerlichen Umständen inklusive Trainerwechsel. Wir haben gehofft, dass wir uns für das sang- und klanglose Ausscheiden in der Vorsaison gegen Davos rehabilitieren können, das ist uns nicht gelungen. Stattdessen ging es noch weiter abwärts.
Warum hat die Mannschaft aus deiner Sicht die Erwartungen nicht erfüllt?
Es ist die Summe von vielen Sachen, angefangen bei den vielen Verletzungen, die in diesem Ausmass auf die Leistungsfähigkeit jeder Mannschaft Auswirkungen haben. Andererseits haben wir auch gesagt, dass wir das Team in den nächsten Jahren umbauen müssen. In der Kaderplanung muss man sich gezielt von einzelnen, verdienten Spielern trennen und verjüngen. Nach den beiden Meistertiteln haben wir in dieser Beziehung zu wenig verändert, dieser Prozess wird einige Jahre dauern. Ein solcher Umbau hat indes immer auch eine störende Wirkung auf das aktuelle Team und ist nicht ganz einfach umzusetzen.
Das Men’s Team gehört zurzeit nicht mehr zu den Top-Adressen im Schweizer Hockey.
Nein, das sind wir im Moment nicht. Dass nach sehr guten Jahren aber auch wieder schwierigere Jahre kommen, gehört zum Sport dazu. Die Leistungsfähigkeit der Teams ist nahe beieinander, da braucht es sehr wenig, dass es nicht mehr reicht. Klar, jeder will immer oben bleiben, aber das ist schwierig bis unmöglich. Mehr als zwei Titel hintereinander hat es in den letzten 20 Jahren nicht mehr gegeben. Das gibt es im heutigen Profisport nur dort, wo ein Team viel, viel mehr Geld als die Konkurrenz zur Verfügung hat und mit gezielten Veränderungen den Erfolgshunger hochhalten kann. Gegenüber einigen Klubs hinken wir mit unseren selbst erwirtschafteten Möglichkeiten hinterher. Wir müssen daran arbeiten und einen Weg finden, dass wir wieder eine Topadresse werden, dass wieder Spieler zum EVZ kommen wollen, weil sie in hier gute Chancen sehen, vorne mitzuspielen.
Wo stehen wir im Moment?
In Bezug auf die Personalkosten der NL-Mannschaft liegen wir seit vielen Jahren auf den Rängen 5-8. Dort sind die Teams sehr nahe beieinander, der Rückstand auf die Top 4 Teams ist jedoch gross. Wir haben in der Schweiz auch vier Stadien, die viel grösser sind und viel mehr Einnahmemöglichkeiten bieten. Die Spannweite innerhalb der ganzen Liga ist sehr gross. Trotzdem ist die Liga sehr ausgeglichen und mehrere Teams sind in den letzten Jahren Meister geworden. Das ist der Nachweis, dass Geld allein keinen Erfolg garantiert und Meister macht. Auch wir haben vor einigen Jahren bewiesen, dass man mit weniger Geld als andere Meister werden kann. Viel entscheidender als die gegebenen finanziellen Voraussetzungen ist für mich, dass alle, wirklich alle, in der Organisation das Gleiche wollen und sich dazu committen. Das hat Davos und Fribourg in den Final gebracht. In dieser Hinsicht müssen wir uns in Zug wieder finden.
«Unsere Mannschaft braucht wieder eine Führungspersönlichkeit, wie Lauri Marjamäki es ist.»
Patrick Lengwiler, EVZ CEO
Wie weit ist der Verjüngungsprozess?
Noch nicht so weit, wie erhofft. Wir haben in dieser Hinsicht ein paar gute Zuzüge gemacht. Aber wenn ich das heutige Kader anschaue, fehlen uns letztlich die Leistungsträger in den Jahren zwischen 25 und 30. Hier ist der Markt in der Schweiz sehr begrenzt, und die Spieler, die dieses Kriterium erfüllen, werden immer mehr mit längerfristigen Verträgen an einen Klub gebunden. Das macht es noch schwieriger. Zudem gelingt nicht immer alles, was man will. Auch andere Klubs suchen diese Spieler.
Warum macht dir die Trainerwahl Hoffnung?
Persönlich habe ich von Lauri Marjamäki einen sehr guten Eindruck als Person gewonnen. Zudem bringt er einen beeindruckenden Leistungsausweis als Trainer mit, verfügt über viel Erfahrung und passt vom Alter und der Philosophie her zu unserem Klub. Er hat in Kloten sehr gute Arbeit geleistet und eine klare Art, wie er mit den Spielern umgeht. Unsere Mannschaft braucht wieder eine solche Führungspersönlichkeit.
Nach dem ungenügenden sportlichen Ergebnis ist auch ein negatives Finanzergebnis zu erwarten?
Das Ergebnis ist noch nicht bekannt. Aber es ist klar, dass die letzte Saison mit dem Trainerwechsel und den zusätzlichen Veränderungen im Kader der 1. Mannschaft zu unerwarteten Mehrausgaben geführt hat. Gleichzeitig hatten wir effektiv weniger Zuschauende in der OYM hall, was sich auch im Umsatz der Gastronomie niederschlägt. Wir hatten im Schnitt rund 500 Leute weniger als im Vorjahr an den Heimspielen. Das hat mit der Leistung der Mannschaft, aber auch mit dem sehr gedrängten Spielplan aufgrund der Olympiade zu tun. Für drei Heimspiele in vier Tagen ist das Einzugsgebiet Zug ganz sicher viel zu klein. Wir werden dieses wie auch das nächste Jahr mit einem negativen operativen Betriebsergebnis abschliessen. Dies ist teils aber auch den Erweiterungsarbeiten der OYM hall geschuldet. Wir haben Einschränkungen oder Mehraufwände, welche das operative Betriebsergebnis beeinflussen. In diesem Jahr ist zum Beispiel die Stadiongastronomie von Juni bis September total zu und wir haben das erste Heimspiel in der kommenden Saison erst am 23. Oktober. In den nächsten zwei Jahren können wir uns keine grossen finanziellen Sprünge erlauben.
Was läuft in der EVZ Organisation sonst noch?
Stark beschäftigt uns in allen Bereichen die Erweiterung der OYM hall. Diese wird dem EVZ mehr Möglichkeiten bieten, ihn aber auch vor neue Herausforderungen stellen – hierfür bereiten wir das operative Team vor. Auf die Saison 2026/27 wird bereits das ganze Südvolumen eröffnet, inklusive der neuen Sportsbar 67, dem Restaurant Tugium und dem neuen Top Premium Produkt «The Box». Auch eröffnet dann der neue EVZ Store, wir betreiben das Merchandising erstmalig selbst. Im Sommer wird der hintere Dachabschnitt im Norden hochgedrückt, so dass dann der Bau des Nordvolumens weitergehen kann. Dieses wird dann ab der Saison 2027/28 vollends zur Verfügung stehen und damit ist die Erweiterung der OYM hall dann abgeschlossen. Es gilt den EVZ auf diese neue Ära vorzubereiten. Losgelöst von der Erweiterung sind wir an allen Fronten daran, den EVZ stets zukunftsorientiert und fit zu halten. Mit unserem Gastro-Team durften wir zudem vor wenigen Tagen das neue Strandbad in Zug in Betrieb nehmen.
Keine Befürchtungen, dass das erweiterte Stadion nicht ausgelastet sein wird?
Das Potential ist vorhanden und letztlich wächst Zug sehr stark. Aber 9’000 Leute kommen nur, wenn du eine gute Reputation hast. Das hat sehr viel damit zu tun, wie die NL-Mannschaft spielt und die Organisation als Ganzes agiert. Wir hatten in den letzten Jahren zu viele Spiele und Phasen, in welchen das Men’s Team nicht so aufgetreten ist, wie wir es wollen. Das hilft uns nicht. Es braucht eine Mannschaft, die kämpft, inspiriert und Freude macht. Ich kenne verschiedene Leute, die in der letzten Saison vermehrt zu Hause geblieben sind, weil sie keine Freude mehr hatten oder nicht einverstanden waren mit der Art und Weise, wie gespielt wurde. Das müssen und werden wir wieder ändern, das liegt einzig und allein an uns.
Wie waren die Reaktionen auf das neue Branding?
Ich habe alle möglichen Reaktionen erhalten. Aber die Tendenz ist verhalten bis positiv. Das heisst: Das neue Erscheinungsbild ist super!
Warum wurde dafür dieser Zeitpunkt gewählt?
Er war der richtige Zeitpunkt, weil wir mit der Erweiterung und Neugestaltung im Süden bereits die ersten Sachen umsetzen. Der EVZ finanziert die Erweiterung der OYM hall selbst, dann soll man ihn auch erkennen. Zudem haben wir einen strategischen Entscheid getroffen, das Merchandising mit dem neuen EVZ Store selbst zu betreiben. Daher war es für uns der richtige Moment, den visuellen Auftritt zu ändern. Eine Logoänderung erst in ein paar Jahren hätte uns viel mehr Geld gekostet.
Wie sieht dein Blick in die EVZ Zukunft aus? Bis und mit Saison 2027/28 ist die ganze EVZ Organisation sehr intensiv an vielen Fronten gefordert. Es ist eine grosse und schwierige Herausforderung, auf der kurz-, mittel- und langfristigen Zeitachse gleichzeitig zu agieren. Die Erweiterung der OYM hall ist langfristig für die Zukunft des Klubs entscheidend. Gleichzeitig gilt es dafür zu sorgen, dass die National League-Mannschaft als Aushängeschild möglichst schnell wieder auf Erfolgskurs kommt. Ganz viele Sachen befinden sich gerade in einem herausfordernden Transformationsprozess.
Was motiviert dich zurzeit, EVZ CEO zu sein?
Es sind zwei Punkte. Einerseits hatte ich immer und habe ich auch weiterhin persönlich das Bestreben, den EVZ zu einer Vorzeigeorganisation in der Sportwelt zu machen. Wir machen schon sehr vieles sehr gut, aber wir haben in vielen Teilbereichen immer noch grosses Potenzial. Andererseits ist es auch das Bestreben, nach den letzten schwierigen Saisons wieder dafür zu sorgen, dass wir all unseren Fans und Zuschauenden mehr Freude bereiten können. Wenn man sich die Gesichter in Erinnerung ruft, welche Spieler, Trainer, Staff und Fans in Fribourg nach dem Meistertitel hatten, dann ist eines sehr klar: Nichts löst so viele Emotionen aus, nichts bewegt die Massen so sehr wie der Sport. Wer leiden muss, freut sich umso mehr. Diese Freude und positiven Emotionen will ich auch mit dem EVZ wieder auslösen!
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